Mae klong zug plane 3 East Rail Stories

Mae Klong Railway Market: Mit dem Zug von Bangkok durch den Markt (mit Video)


Mae Klong – Wo der Zug durch den Markt fährt …

Wer eine Reise nach Thailand antritt, startet sein/ihr Abenteuer sehr wahrscheinlich in Bangkok und hat auch eine umfangreiche Sightseeing-Tour in der pulsierenden Millionenmetropole auf dem Programm. Bevor es dann weiter nach Chiang Mai oder zum Inselhopping geht, lohnt es sich auf jeden Fall, noch 1-2 weitere Tage in eine Tour zu einem der spektakulärsten Ausflugsziele in Thailand zu investieren. Für Eisenbahnfans ohnehin ein Pflichtprogramm: der legendäre Mae Klong Railway Market.
Der Mae Klong Markt befindet sich nur etwa 75 Kilometer südwestlich von Bangkok und ist wirklich einzigartig.

Berühmt ist der Markt dafür, dass er auf Eisenbahnschienen stattfindet, die unmittelbar zwischen den Verkaufsständen verlaufen und den Besucher:innen als Fußweg dienen. Insgesamt 8-mal am Tag fährt ein Zug durch den Markt, der die Händler:innen dazu veranlasst, Waren und Sonnenschirme in aller Entspannung für wenige Minuten zurückzuziehen. Daher auch sein Spitzname: Talat Rom Hup (ตลาดร่มหุบ), was sich etwa in Regenschirmauszugsmarkt übersetzen lässt.

Mae Klong Markt. Verkäuferin auf den Eisenbahnschienen zwischen den Marktständen.

Auch die Reise mit dem Zug von Bangkok nach Mae Klong ist eine spannende Tour auf Schmalspur, quer durch die „Felder“ von Meersalz-Farmen, mit einem kleinen Intermezzo auf einer Fähre, in zeitweiser Begleitung von quirligen Makaken, hinunter zu einer der skurrilsten Sehenswürdigkeiten in Thailand: dem Markt auf den Eisenbahnschienen.

Video: Zugfahrt Bangkok – Mae Klong: Video


Wie komme ich mit dem Zug von Bangkok nach Mae Klong?

Um auf eigene Faust mit dem Zug zum Mae Klong Markt in dem Ort Samut Songkhram zu reisen, solltest du dich auf jeden Fall im Vorfeld über die Streckenabschnitte, Bahnhöfe und Fahrzeiten informieren. Denn der Zug fährt nicht nonstop von Bangkok nach Mae Klong. Und die Eisenbahnroute ist praktisch auf halber Strecke in dem Ort Samut Sakhon (Mahachai/ Tha Chalom) durch einen Fluss unterbrochen – ohne Brücke.
Daher ist die Zugstrecke in zwei Abschnitte geteilt: eine östliche und eine westliche Teilstrecke. Dazwischen liegt ein kurzer Spaziergang mit Fährüberfahrt:

1. Bangkok (Wong Wian Yai) – Mahachai mit dem Zug – 1 Stunde Fahrzeit 🚆

2. Mahachai – Tha Chalom (Ban Laem) mit der Fähre – 5 Minuten Fahrzeit ⛴️ + 20 Minuten Fußweg 👣

3. Tha Chalom (Ban Leam) – Mae Klong Station mit dem Zug – 1 Stunde Fahrzeit 🚆

Schematische Route von Bangkok zum Mae Klong Railwy Market.

Das Nadelöhr ist der Abschnitt zwischen Tha Chalom (Ban Laem) und Mae Klong (Samut Songkhram): dieser wird viermal am Tag je Richtung bedient. Entsprechend kannst du also 4-mal täglich die Strecke zwischen Bangkok und Mae Klong komplett bereisen.

Beachte, dass der Start-Bahnhof Wong Wian Yai in Bangkok nicht im touristischen Zentrum liegt. Die Züge fahren nicht über die Bang Sue Grand Station oder den Bahnhof Hua Lamphong!


Wie komme ich zum Bahnhof Wong Wian Yai?

Der Bahnhof Wong Wian Yai befindet sich im Stadtteil Thonburi auf der Westseite des Flusses Chao Phraya. Von der Sukhumvit Station aus nimmst du die MRT Blue Line (Richtung Hua Lamphong) bis zur Station Si Lom. Hier gibt es einen Übergang zur BTS Station Sala Daeng. Der BTS Skytrain dunkelgrünen Silom Linie bringt dich dann über den Chao Phraya und zur Wongwian Yai station.

BTS Skytrain. Triebwagen am Bahnsteig.
Im BTS Skytrain zum Bahnhof Wongwian Yai.

Hier nimmst du Exit 3 und erreichst dann nach ca. 10 Minuten Fußweg den historischen Bahnhof Wong Wian Yai. Diese 10 Minuten können auch mal 15 Minuten lang werden. Denn es geht entlang großer Hauptstraßen und über eine Fußgängerbrücke, die zu besteigen bei den tropischen Temperaturen und mit einem großen Rucksack auf dem Rücken zumindest etwas schweißtreibend sein kann.

Der Bahnhof befindet sich auf der linken Seite der Straße „Soi Somdet Phra Chao Tak“, kurz vor dem King Taksin Monument. Allerdings ist er nicht ganz so leicht als Bahnhof erkennbar, und so manch eine:r ist sicher schon daran vorbeigelaufen. Am besten hältst du Ausschau nach dem braunen Holzschild mit der Aufschrift „Wong Wian Yai Station / สถานีรถไฟวงเวียนใหญ่“ und den obligatorischen National- und Königs-Fahnen.

Eingang zum Bahnhof Wong Wian Yai in Bangkok. Schild aus braunen Holzlatten mit weißer Aufschrift in Thai und Englisch. Darauf die Fahnen Thailands und des Königshauses.
Etwas versteckt: der Bahnhof Wong Wian Yai in Bangkok.

Reisebericht: Fahrt zum Mae Klong Markt in 3 Etappen

1. Von Bangkok Wong Wian Yai nach Maha Chai (Samut Sakhon)

Wongwian Yai ist ein unauffälliger kleiner Bahnhof mit einem Gleis und Bahnsteig, direkt gegenüber einer Zeile dreistöckiger Geschäfts- und Wohnhäuser. Viel charmanter geht es wohl kaum inmitten einer riesigen Metropole wie Bangkok. Beim Betreten des leicht versteckten Bahnhofs treffe ich direkt auf den Prellbock, der bereits andeutet, dass diese Strecke nicht an das allgemeine Eisenbahnnetz Thailands angeschlossen ist.

Prellbock am Ende des Gleisbetts am Bahnhof Wong Wian Yai. Rechts das Bahnsteig. Links Wohnhäuser.
Startpunkt der Eisenbahn-Route zum Mae Klong Railway Market.

Die Eisenbahnlinie wurde ursprünglich als Güterzugstrecke in Betrieb genommen, um Produkte aus den Fischereihäfen von Samut Sakhon und Samut Songkhram zu den Märkten in Bangkok zu transportieren. Die Fertigstellung und Verbindung der Teilstrecken fand in den Jahren 1904-1907 statt und wurde in der Folge noch einige Male umstrukturiert. Wong Wian Yai wurde erst 1961 der Endbahnhof dieser Strecke. Zuvor reichte die Verbindung bis nach Khlong San.

Am Bahnsteig decke ich mich noch mit den nötigsten Snacks und Getränken ein. Eigentlich nur mit Getränken. Die Fahrt zum ersten Zwischenstopp in Mahachai dauert nämlich nur etwa 1 Stunde. Bei der herrschenden Hitze sollte aber immer ausreichend Wasser im Gepäck sein. Da ich mit einem großzügigen Zeitvorsprung am Bahnhof eingetroffen bin, mache ich es mir in dem kleinen Wartebereich auf einer der mehr oder weniger komfortablen Holzbänke bequem.

Einfahrt des Zugs Richtung Mahachai am Bahnhof Wong WIan Yai. Triebwagen von vorne.
Zugeinfahrt in Wong Wian Yai

Hier stelle ich bereits fest, dass es sich in erster Linie um einen Pendelzug handelt, der vornehmlich von Einheimischen genutzt wird. Das ist sicher ein Unterschied zu der deutlich touristischer geprägten Strecke der Todeseisenbahn nach Kanchanaburi und Nam Tok.
Der Zug fährt pünktlich ein und ich suche mir einen Platz. Davon gibt es einige. Am frühen Morgen ist es einigermaßen leer im Zug, der vielmehr den Charakter einer S-Bahn hat und heute vorwiegend Berufstätige und Studierende transportiert.
Die Teilstrecke nach Mahachai (Samut Sakhon) ist sicher der weniger aufregende Abschnitt auf dem Weg zum Mae Klong Markt. Wir fahren weitgehend durch urbanes und suburbanes Gebiet. Der Übergang zwischen Bangkok und der Provinz Samut Sakhon ist fließend. Noch keine ganz großen Highlights.

Nebenschienen der Eisenbahnstrecke in der Provinz Samut Sakhon. Zwei Frauen tragen Einkäufe im Geisbett.
Auf dem Weg nach Maha Chai.

Bedeutung genießt Samut Sakhon nicht zuletzt dank der gleichnamigen Provinzhauptstadt mit ihrem alten Fischerhafen an der Golfmündung des Flusses Tha Chin. Die Eisenbahnlinie wird nach wie vor genutzt, um frisch Gefangenes vom Hafen zu den Märkten in Bangkok zu transportieren. Daher befindet sich der Bahnhof Mahachai inmitten eines großen, wusligen Marktes. Auch hier sieht man bei der Einfahrt des Zuges einige Marktstände direkt neben den Schienen. Das Obst und Gemüse wird beinah von dem vorbeifahrenden Zug touchiert – der milde Fahrtwind hält die Ware frisch.


2. Die Fähre zwischen Mahachai und Tha Chalom (Ban Laem)

Am Bahnhof Mahachai muss ich nun aussteigen und den südlich gelegenen Bahnhof Ban Laem ansteuern. Dazu geht es auf eine Fähre, die den Fluss Tha Chin überquert. Ein kleines Highlight der Tour. Allerdings ist auch der Fährableger erstmal über einen kurzen Fußweg durch die zentrale Marktstraße Mahachais zu erreichen. Diese befindet sich direkt an der linken Seite des Bahnhofs, und ich biege rechts in sie ein. Auch dieser Teil der Route ist beeindruckend und durch ihre Komposition an dieser Stelle einzigartig. Ein großer, belebter und vor allem frischen Fisch und Seafood anbietender Straßenmarkt, geschmückt mit chinesischen Lampions – und versehen mit chinesischen Schrifttafeln.

Marktstraße in Maha Chai. Rote chineische Laternen hängen an Leinen über der Straße.
Belebte Straßen von Mahachai.

Tha Chalom und Mahachai waren einst von chinesischen Bewohnern dominierte Gemeinden – auch chinesische Schiffe legten hier an. Der Name des Flusses Tha Chin etwa bedeutet „Chinesisches Pier“. Während der größte Teil der heutzutage hier lebenden Gastarbeiter aus Myanmar stammt (Quelle: bangkogpost.com), ist vor allem das chinesische Antlitz des Ortes nach wie vor sichtbar.

Sichtbar wird nach 5 Minuten Fußweg auch der Bootsanleger der Fähre: am Ende der großen Marktstraße auf der linken Seite. Erkennbar an dem strammen und kantigen Uhrenturm. Ich kaufe mir dort direkt am Pier ein Ticket für 3 Baht und steige den Steg hinab zur Fähre. Das Boot wird für den regelmäßigen Transfer von Passagieren und Motorrädern genutzt, sodass ich hier keinen Zeitdruck habe. Auch die Überfahrt dauert nur wenige Minuten.

Fähre am Pier in Maha Chai. Fußgänger und Motorradfahrer sind an Bord.
Regelmäßige Überfahrt: Die Fähre über den Tha Chin-Fluss.

Ich empfehle, sich nach Ankunft am anderen Ufer beim Verlassen der Fähre defensiv zu verhalten und erstmal die Motorräder von Bord flitzen zu lassen. Von hier aus sind es nur noch wenige Minuten bis zur nächsten Station – bei einer entspannten Reiseplanung sollte daher ohnehin keine Hektik aufkommen.


3. Vom Bahnhof Ban Laem (Tha Chalom) nach Mae Klong

Der Bahnhof Ban Laem befindet sich wenige hundert Meter vom Bootsanleger in Tha Chalom entfernt. Hier geht es deutlich ruhiger zu als im geschäftigen Mahachai. Mittags wirken die Straßen fast wie in bester Siesta-Manier: leergefegt. Ich empfehle, ein wenig Zeit mitzubringen, um sich von der herrschenden Atmosphäre und der lokalen Straßenkunst inspirieren zu lassen.

Gullydeckel auf Straße in Tha Chalom mit künstlerisch gestalteter Landkarte des Ortes. Auf der Karte sind Züge. Fähren und ein eine Rikscha eingezeichnet.
Streetart in Tha Chalom.

Neben farbenfroh gestalteten Gullydeckeln finden sich am Wegesrand auch hilfreiche Schilder, die den Weg zum Bahnhof Ban Laem weisen. Da kann eigentlich nicht viel schiefgehen. Tut es auch nicht. Einmal kurz rechts und eine Weile geradeaus – und der Bahnhof ist nicht zu übersehen.
Gerade aus dem hektischen Bangkok kommend, ist Tha Chalom eine sehr angenehme Oase der Ruhe. Mich stört es gar nicht, dass ich noch eine Stunde zu warten habe und investiere keinerlei Eile in diesen Spaziergang.

Blaues Straßenschild in Tha Chalom zeigt die Richtung zum Bahnhof Ban Laem (Ban Laem Railway Station) an.
Unübersehbare Wegweiser zum Bahnhof Ban Laem.

Auch am Bahnhof genieße ich neben der farbenfrohen Gestaltung des Gebäudes die Gelassenheit des Ortes. Es ist weitgehend leer, und auch der Ticketschalter öffnet erst relativ kurz vor Zugeinfahrt. Beziehungsweise: dieser schließt gerade, als ich eintreffe – und man vertröstet mich auf das Wiedereröffnen nach der Mittagspause. Auch gut …
Viel zu tun gibt es hier nicht. Am Bahnsteig befindet sich allerdings eine kleine Garküche, in der ich mir bei meiner Rückfahrt eine günstige und köstliche Nudelsuppe gönne.

Bahnhof Ban Laem in Tha Chalom. Am Hauptgebäude ein buntes Gemälde des Zugs nach Mae Klong.
Bunter Bahnhof Ban Laem.

Ausgewiesene touristische Einrichtungen sucht man hier vergebens. Allerdings gibt es einen direkt angrenzenden Tempel, den Wat Laem Suwannaram aus dem frühen 19. Jahrhundert. Auf diesem sitzt ein großer Buddha, der seinen Rücken dem Tha Chin-Fluss zuwendet. Insofern gibt es hier durchaus etwas zu sehen, um sich die Zeit zu vertreiben – in entspannter, meditativer Atmosphäre.

Buddha Statue im Tempel Wat Laem Suwannaram.
Beeindruckender Buddha im Tempel Wat Laem Suwannaram.

Ich habe noch das Glück, einen weiteren Teil des Zugbetriebes bezeugen zu dürfen. Ein Tankwart im Nirvana-Shirt betankt einen Triebwagen an einer kleinen Zapfsäule auf dem Nebengleis. Erst Ende der 1950er Jahre, nach der Eingliederung der Mae Klong-Bahn in die thailändische Staatsbahn, wurde die gesamte Strecke auf den Dieselbetrieb umgestellt. Die heutigen Dieselwagen stammen aus japanischer Fertigung (Quelle: thai-railway.fandom.com) und lassen sich am Bahnhof Ban Laem in aller Ruhe bestaunen.

Mann tankt den Triebwagen eines Zuges der Mae Klong Linie.
Tankstopp in Tha Chalom.

Schließlich geht es auch hier weiter. Der vermutlich ebenso frisch betankte Zug fährt langsam am Bahnsteig ein und empfängt zwei Handvoll wartende Passagiere. Auch hier bin ich der einzige Tourist, und entsprechend der einzige halbwegs aufgeregte Mitreisende. Zunächst jedenfalls. Eine kleine Gruppe Kinder sitzt in meinem Zugabteil. Sie werden sich später mit etwas unerwartetem Enthusiasmus mit mir an der Aussicht erfreuen.

Selfie im Waggon der Me Klong Linie.
Im Zug fahren überwiegend Locals.

Wie auch der erste Zug ist dies ein einfacher Waggon der 3. Klasse. Ausreichend bequeme Sitzbänke, Deckenventilatoren und vollständig zu öffnende Fenster, aus denen ich meine Ellenbogen cool herausstrecken kann. Auch diese Zugfahrt dauert etwa eine Stunde und hat einiges zu bieten. Denn im Vorbeifahren kann ich – großflächig sichtbar – für diese Region typische landwirtschaftlichen Betriebe betrachten – die Meersalz-Farmen.

Meersalz-Farmen von Samut Sakhon

Die Provinzen Samut Sakhon und Samut Songkhram sind Thailands größte Quellen für die Salzproduktion. Vom Zug aus sehe ich zahlreiche aneinandergrenzende, rechteckige Felder, die mit Wasser geflutet und von künstlichen Erdwällen umgeben sind.
Darin findet der saisonale Salzanbau statt. Die beste Gelegenheit, diesen durchaus pittoresken Anblick zu genießen, bietet sich während der Trockenzeit zwischen Ende September und Mai. Ich bin im Februar unterwegs, und die Becken sind überwiegend geflutet und schimmern in unterschiedlichen Farbtönen.

Meersalz-Farm in der Region Samut Sakhon bei blauem Himmel.
Salz-Farmen in der Provinz Samut Sakhon.

Für den Prozess der Salzgewinnung wird das Meerwasser aus dem Golf von Thailand zunächst auf die Felder gepumpt. Daraufhin lassen die Farmer das Wasser natürlich verdunsten und reichern das Salz durch eine abgestimmte Folge der Weiterleitung zwischen den Feldern an. Schließlich bleiben Salzschichten zurück, die von den Bauern eingesammelt werden.
(Quelle: bangkokpost.com)

Salzfarm Closeup East Rail Stories

Die Salzfelder prägen den Eindruck dieser Tour, wie es andernorts Reisfelder tun. Ich freue mich über diesen entspannenden Blick auf die lokalen Kulturlandschaften. Plötzlich wird es dann unruhig im Zug. Die Kinder aus meinem Abteil stehen auf und laufen zum Fenster auf meiner Seite. Der Grund sind die draußen herumstreifenden Affen. Die Wahrscheinlichkeit, in der Nähe menschlicher Siedlungen in Thailand auf wilde Makaken zu treffen, ist eigentlich recht hoch. Auch dass sie auf dieser Strecke am Gleisrand auftauchen, überrascht mich nicht. Und dennoch ist es etwas Besonderes. Auch für die einheimischen Kids.

Makake auf einem Feldweg neben der Zug in Richtung Mae Klong Markt.
Kein seltener Anblick in Thailand: Makaken.

Ankunft an der Maeklong Station

Nach dieser kleinen Einlage nähern wir uns auch schon dem großen Highlight: dem Mae Klong Markt in der Provinzhauptstadt Samut Songkhram. Der Zug überquert eine Straßenkreuzung mit wartenden Motorrädern. Vor uns ziehen sich Markisen zurück, um dem Zug die Ehre zu erweisen. Oder, um einfach nicht weggemäht zu werden. Denn jetzt fahren wir durch den Markt.
Nach einer lautstarken Ankündigung wissen die Händler:innen Bescheid und stehen neben den zahlreichen Touris einige Zentimeter vom Zug entfernt. Die Schienen sind frei und nach wenigen Minuten erreichen wir eine weitere Straßenkreuzung, an der zahlreiche Schaulustige mit Smartphones und Kameras im Anschlag stehen. Direkt dahinter fährt der Zug in den kleinen Bahnhof ein: Maeklong Station.

Blick aus der Maeklong Station in Richtung gut besuchtem Railway Market.
Vom Bahnhof Mea Klong hat man freien Blick auf den Railway Market.

Auf dem Mae Klong Railway Market

Der Bahnhof Mae Klong ist für sich eine kleine Touristenattraktion. Nun – jedenfalls, wenn ein frisch eingefahrener Zug im Gleis steht. Hier ein Foto von dem pausierenden Triebwagen zu schießen, ohne dass Gleichgesinnte mit abgelichtet werden, ist nicht ganz leicht und erfordert etwas Geduld. Ähnlich ist es, wenn der Zug seinen Weg durch den Markt antritt. Gute Sichtplätze sind begehrt und in freundlicher Manier umkämpft.
Der Railway Market erstreckt sich – ausgehend vom Bahnhof Mae Klong – über eine Länge von 100 Metern. Es handelt sich tatsächlich um einen ganz gewöhnlichen Frischmarkt, auf dem Meeresfrüchte, Gemüse, Obst, frische und getrocknete Lebensmittel, sowie andere Waren wie Kleidung verkauft werden. Doch warum findet der Markt auf Eisenbahnschienen statt?

Verlassene Rikscha steht auf den Gleisen vor dem leeren Bahnhof Mae Klong.
Ohne Zug ist der Bahnhof wie leer gefegt.

Die Geschichte zum Mae Klong Markt

Den Maeklong Railway Market gibt es in dieser Form bereits seit etwa 1905. Er befindet sich in der Provinz Samut Songkhram, dort wo der Fluss Mae Klong in den Golf von Thailand mündet. Es ist naheliegend, dass der Fischfang seit jeher eine der Haupteinnahmequellen der hier lebenden Menschen ist. Dieser Markt war bereits vor der Fertigstellung der Eisenbahnstrecke eine beliebte Möglichkeit, die lokalen Frischwaren zu handeln. Als die Behörden Anfang es 20. Jahrhunderts beschlossen, genau hier eine Eisenbahnlinie zu bauen, um den Frischfang effektiver in Richtung der Hauptstadt transportieren zu können, hat man keinen Grund gesehen, den Markt umzusiedeln. Dann wird eben auf Schienen gehandelt. Und wenn der Zug durchfährt, wird eben kurz Platz gemacht. Gelebter Pragmatismus.

Gleis inmitten des Mae Klonk Markts. Rechts uns links Verkaufsstände und Verkäuferinnen. Über den Markt ragen Sonnenschirme.
Früh am Morgen ist es ruhig auf dem Mae Klong Markt.

Die Ruhe vor dem Zug

Bevor sich der erste Zug morgens um 6:20 h auf den Weg durch den Markt macht, ist hier alles gemächlich am Erwachen. Noch bewegen sich mehr Verkäuferinnen als Kund:innen und Touris neben und auf den Schienen. Es wird gefrühstückt, die Waren werden portioniert und bereitgelegt, und Fischverkäuferinnen bieten den Passanten ein rustikales Schlachtfest – der Fisch ist also wirklich frisch! Und hier und da verlängert eine müßige Katze ihre Nachtruhe in einer der Gemüsekisten.

Katze liegt neben den Schienen in einem Obstkorb zwischen Knollen, Kürbissen und Erdbeeren.
Auch in Thailand werden Erdbeeren und Kürbisse angebaut.

Allseits lassen jedoch die Schienen erahnen, warum der Ort gemeinhin wohl als Siang Tai (เสี่ยงชีวิต)-Markt bezeichnet wird: als Markt der Lebensgefahr. Der Name ist Programm, könnte man meinen. Doch schließlich ist der Besuch in Mae Klong auch eine eindrucksvolle Erfahrung, wie das Konzept der Eigenverantwortung wirkungsvoll funktioniert: durch ausgeprägte Nonchalance und kompromisslose Routine.
In den 10-15 Minuten vor Eintreffen des Zuges versammeln sich die Menschen auf den Gleisen, bzw. neben den Gleisen. Unendlich viel Platz ist nicht, und man will natürlich den besten Blick erhaschen. Die Züge am späteren Vormittag und Nachmittag genießen natürlich etwas mehr Aufmerksamkeit als der Frühaufsteher-Zug.

Gemüsestand auf dem Mae Klong Railway Market mit einigen westlichen Besuchern auf den Schienen.
Zum Mittag hin und vor Einfahrt der Züge füllt sich der Markt mit Tourist:innen.

Wann fährt der Zug durch den Markt?

Der Zug passiert den Markt jeden Tag 8 Mal, in etwa rund um die folgenden An- und Abfahrtszeiten. Ich empfehle, mindestens 15 Minuten vor der Durchfahrt vor Ort zu sein, um dir einen guten Platz zum Gucken und Fotografieren zu sichern.

Die Szenen vor und während der Durchfahrt des Zuges sind beeindruckend. Während die Schaulustigen bereits aufgeregt Spalier stehen, räumen die Verkäufer:innen wenige Minuten vor der großen Show ganz in Ruhe ihre Kisten etwa einen halben Meter von den Gleisen weg. Flachere Auslagen lässt man einfach an den Schienen liegen. Und die Sonnenschirme? Diese werden zum Teil erst unmittelbar vor dem Zug eingezogen. Und unmittelbar nach der Zugdurchfahrt wieder aufgestellt. Mehr als zwei Minuten dauert das Spektakel nicht an – dann ist wieder alles beim Alten. Zurück zum Geschäft.

Mae Klong zug 2 1 East Rail Stories
Das Spektakel auf dem Mae Klong Markt ist in vollem Gange.

Der Zug fährt wirklich sehr dicht an uns vorbei. Selbst meinen Arm könnte ich nicht in voller Länge ausstrecken, ohne den Triebwagen unsittlich zu touchieren. Bei der Durchfahrt des Mittagszuges muss mich eine Verkäuferin freundlich bitten, noch ein Stück zurückzutreten. Der Zug ist nochmal deutlich breiter als die Schmalspur-Schienen, auf denen er vorbeirollt.
An der Straßenkreuzung zwischen Markt und Bahnhof ist besonders viel los. Ein Polizist ist im Einsatz, um den Trubel unter Kontrolle zu halten. Was ihm auch gut gelingt. Trotz aller Begeisterung ist der Respekt vor dem herannahenden Diesel-Monstrum schließlich doch ausreichend, um sich diszipliniert zu verhalten. Wenigstens an diesem Tag bestand keine akute Lebensgefahr auf dem Mae Klong Markt.

Zug auf dem Mae Klong Markt. Vorderseite des Triebwagens. Eine Verkäuferin steht ganz dicht dran.
Nichtmal eine Armlänge Abstand…?

Fazit zum Mae Klong Railway Markt

Ein Ausflug zum Mae Klong Railway Market ist sicher nicht nur für Eisenbahnfans ein ganz besonderes Erlebnis in Thailand. Etwas Vergleichbares wirst du weltweit wohl nicht finden. Zwar gibt es in Hanoi (Vietnam) die ebenfalls berühmte Train Street – diese ist mittlerweile aber für Besucher nicht mehr zugänglich. Der große Charme des Mae Klong Markts ist sein erhalten gebliebene Authentizität. Es ist nach wie vor ein lokaler Markt, auf dem Frischwaren für den alltäglichen Bedarf gehandelt werden. Umgebung, Menschen und Qualität der Waren erwecken auch nicht den Eindruck, dass hier Armutstourismus stattfindet. Ohne die Gleise wäre es ein ganz normaler, ländlicher Markt in Thailand.

Früh am Morgen, wenn der Markt öffnet, spürt man den touristischen Flair noch kaum. Sobald der erste Zug jedoch herannaht, ändert sich die Szene – und doch lassen sich die Händler:innen nicht von ihrer Routine ablenken. Ganz nebenbei ist Samut Songkhram noch eine sympathische, quirlige Kleinstadt.
Ich kann eigentlich jedem, der bei seiner Reiseplanung für Thailand noch zwei Tage Zeit hat, empfehlen, diesen Ausflug von Bangkok aus in Angriff zu nehmen.

Öffnungszeiten Mae Klong Railway Market

➙ Der Markt ist täglich von 6:20 h bis17:40 h geöffnet. Ich füge hinzu, dass im Internet unterschiedliche, aber ähnliche Öffnungszeiten kursieren.

➙ Der Zutritt ist kostenlos. Zwar ist der Mae Klong Markt eine Touristenattraktion, aber eben auch ein „ganz normaler Markt“

Was kosten die Tickets zum Mae Klong Markt

Die Tickets kaufst du direkt an den Ticketschaltern der Bahnhöfe (I) Wongwian Yai, (II) Ban Laem und (III) Mae Klong.
Insgesamt kostet die Tour pro Richtung ca. 23 Baht (60 Cent):

  • Zug Wongwian Yai – Mahachai: 10 Baht
  • Fähre Mahachai – Tha Chalom: 3 Baht
  • Zug Ban LAem – Mae Klong: 10 Baht

Fahrpläne: Bangkok ⬌ Mae Klong

Fett markiert sind Vorschläge für die Strecke zwischen Bangkok und Mahachai. Für einen entspannten und reibungslosen Anschluss an die Strecke Ban Laem – Mae Klong empfehle ich einen Zeitpuffer von mindestens 40 Minuten. Die Fähre verkehrt regelmäßig – ein Fahrplan ist nicht verfügbar.

Zugverbindungen für die Hinfahrt

Zug-Nr. #Wongwian Yai
(Bangkok)
Mahachai
(Samut Sakhon)
43035:306:23
43116:257:27
43217:008:00
43417:408:39
43058:359:28
43139:4010:36
432310:4011:39
434312:1513:10
431513:2014:15
432514:2515:22
431715:2516:27
430716:3017:26
432717:0018:02
434517:3518:36
430918:3519:30
432919:1020:04
434720:1021:00
Zug-Nr. #Ban Laem
(Samut Sakhon)
Mae Klong
43817:308:30
438310:1011:10
438513:3014:30
438716:4017:40

Zugverbindungen für die Rückfahrt

Zug-Nr. #Mae KlongBan Laem
(Samut Sakhon)
43806:207:20
43829:0010:00
438411:3012:30
438615:3016:30
Zug-Nr. #Mahachai
(Samut Sakhon)
Wongwian Yai
43024:305:24
43105:206:17
43205:556:54
43406:257:29
43047:007:58
43128:009:03
43229:3510:32
434210:4011:39
431411:4512:44
432413:1514:14
431614:2515:19
430615:2516:20
432616:0016:56
434416:3017:29
430817:3518:26
432818:1019:02
434619:0020:00

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Hinweis: Alle in diesem Artikel beschriebenen Reisen wurden privat finanziert. Ich erhalte keine finanziellen Zuwendungen von in diesem Artikel genannten Unternehmen oder anderen Organisationen.

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