Stockholm über Brücken – Ein Ausflug rund um Essingefjärden

Die Brücke Tranebergsbron in Stockholm von der Insel Stora Essingen aus. Blick über die Bucht Essingefjäreden des Mälarsees.

Stockholm ist eine Stadt am und im Wasser. Zwischen Ostsee und Mälarsee erstrecken sich zahlreiche Inseln, die über insgesamt 53 Brücken miteinander verbunden sind. Im Bereich um das Stadtzentrum gibt es einige besonders prominente Hauptverkehrsbrücken wie etwa die Västerbron, die das Stadtbild mitprägen. Oft bieten sich von den Brücken aus spektakuläre Aussichten auf die Stockholmer Stadtteile, deren felsigen Küsten teilweise vergessen lassen, dass man sich gerade in der größten Stadt Skandinaviens befindet. Andererseits bieten die Küstenfelsen tolle Aussichtspunkte auf die Brücken, einige derer von Zügen, U-Bahn und Straßenbahn überquert werden. Tolle Plätze für Trainspotter.

Eine der größten Brücken Stockholms. Die Brücke Västerbron in Stockholm im Sonnenuntergang. Die Brücke spiegelt sich im Wasser. Ein Schwan sucht nach Futter.
Stockholms Brücken bieten wunderschöne Aussichten.

Eine schöner Halbtages-Spaziergang, der mehrere solcher Aussichtspunkte bietet, führt über die Inseln Lilla Essingen und Stora Essingen, den unscheinbaren Stadtteil Alvik im Westen, und entlang der südlichen Küste Kungsholmens – im Rundgang um die Mälaren-Bucht Essingefjärden. Dabei überqueren und betrachten wir vier Brücken:

  • Mariebergsbron
  • Essingebron
  • Alviksbron und
  • Tranebergsbron

Eine Tour, die vielleicht nicht zu den üblichen Ausflugstipps in Stockholm gehört, sich damit aber eben auch auf einem Weg abseits der abgetretenen Pfade bewegt. Hier lernst du die Stadt etwas ‚intimer‘ und in ihrem alltäglichen Gewand kennen. Urbaner Charme trifft auf lokale Naherholung. Über Stockholms Brücken. Die Route macht natürlich besonders in den Frühjahrs- und Sommermonaten Spaß, und bei sich anbahnendem Sonnenuntergang – selbst wenn dieser im schwedischen Sommer auch gerne mal auf sich warten lässt.

Start an der Mariebergsbron – von Kungsholmen nach Lilla Essingen

Die Route liegt nicht direkt in der Stockholmer City und wäre zu Fuß vom Hauptbahnhof (Stockholms Centralstation) in etwa 45 Minuten zu erreichen. Der Weg über das Stadshus, entlang des Norr Mälarstrands und unter der Västerbron hindurch wäre für sich schon eine schöne Tour (siehe lila Linie auf der Karte). Alternativ fährst du am besten von der City aus mit dem Bus. Die Buslinie 1 etwa fährt ab Hötorget in 12 Minuten zum Startpunkt der Tour (Quelle: sl.se). Die Bus-Haltestelle Wivalliusgatan liegt nahe dem Hochhaus der Tageszeitung „Dagens Nyheter“ und wird von den Linien 1, 56 und 91 angefahren.

Von hier aus sind es nur wenige Geh-Minuten zur ersten Brücke, der Mariebergsbron, einer kleinen, unspektakulären Brücke für Autos, Radfahrer und eben Fußgänger. So unscheinbar die Brücke, so schön der Ausblick – besonders in südliche Richtung über die Bucht Mariebergsfjärden.

Abendsonne im Südosten Stockholms hinter Wolken. Fotografiert von der Mariebergsbron in Lilla Essingen. Photo Credits: Anika Wiegard
Sommerabendliche Landschaft südöstlich der Mariebergsbron.

Die Brücke verbindet die große Insel Kungsholmen mit Lilla Essingen. Dass Lilla Essingen eine kleine Insel ist, steckt bereits im Namen: lilla = klein. Eine Umrundung der Insel dauert hier keine 30 Minuten und bietet zahlreiche schöne Aussichten. Es gibt auch einen Holzpfad, der direkt von der Mariebergsbron erreichbar ist und an Brutstätten mehrerer Wasservögel-Arten – Schwänen, Enten, Möwen, Gänsen, Blesshühnern – vorbeiführt. Durch die zentrale Lage hast du – je nach Standort – einen Blick auf sieben große Stockholmer Brücken, derer wir vier auf der Tour überqueren.

Holzsteg in Lilla Essingen entlang des Wassers unter der Mariebergsbron. Gebäude spiegeln sich im Wasser.
Mariebergsbron von Lilla Essingen aus.

In den Abendstunden lassen sich an den Promenaden des Süd-Westufers tolle Sonnenuntergänge verfolgen. Am frühen Morgen genießen viele Stockholmer die Morgensonne im Luxparken mit einem exklusiven Ausblick auf die Västerbron und den gemächlichen Schiffsverkehr. Auf der Insel ist sonst nicht viel los. Soll auch nicht. Auf Lilla Essingen wird vor allem gewohnt, und am Wasser entspannt.

Fernsicht auf die Västerbron von Lilla Essingen aus über den Mälarsee.
Västersbron – vom Luxpark in Lilla Essingen aus.

Wenn du direkt von der Mariebergsbron kommst, musst du dich nur rechts halten und der nächsten Straße – dem Gamla Essinge broväg – bergab folgen, um auf die nächste Brücke, die Essingebron zu gelangen.

Über die Essingebron hinüber nach Stora Essingen

Der Weg wirkt ein wenig wie eine Autobahnauffahrt. Denn die Essingebron ist eine große, mehrspurige Brücke. Hauptverkehrsader und an sich nicht wirklich ein Hort der Stille und der Idylle. Dennoch spaziere ich gerne über diese Verbindung zwischen Lilla Essingen und Stora Essingen. Denn von hier aus überblickst du quasi die gesamte Bucht Essingefjärden, mit der Tranebergsbron als beherrschendes Element im Nordosten.

Straße auf der Essingebron, in Richtung Kungsholmen blickend.
Essingebron in Richtung Kungsholmen und Lilla Essingen (rechts)
Essingefjärden bei blauem Himmel, von der Essingebron aus fotografiert. Hinten rechts die Tranbergsbron.
Blick von der Essingebron auf die Bucht Essingefjärden.

Zudem hast du am Ende der Brücke einen tollen Blick auf eine Felsküste, die durch einen Bahn-Tunnel durchbrochen ist. Fast direkt am Ufer der Bucht entlang fährt hier die Straßenbahnlinie 30, der Tvärbanan. Die Linie verbindet Sickla im Südosten der Stadt mit dem Flughafen Bromma und der Gemeinde Solna im Norden (Quelle: public-transport.net). Hier macht sie sich auf den Weg Richtung Alviksbron – unserer nächsten Brücke auf der Tour. Du kannst die Tram bei ihrer Fahrt entlang des kurzen Felsabschnitts beobachten, und ihr bei ihrer Tunnel-Ein- und Ausfahrt zusehen.

Die Tramlinie Tvärbanan passiert die Essingebron am Ufer des Essingefjärden.

Stora Essingen

Auf der Höhe der Straßenbahntunnels bist du praktisch auch schon in Stora Essingen. Hinter dem Ortseingangsschild rechts abgebogen kommst du nach etwa 10 Minuten Fußweg direkt zur nächsten Station der Tvärnabanan, am Beginn der Alviksbron. Allerdings gibt es auch auf dieser Insel Gründe, vor dem Weiterziehen noch einen kleinen Abstecher zu machen. Ähnlich wie Lilla Essingen, ist Stora Essingen vor allem eine Residenz-Insel – aber durchaus etwas höher gelegen. Es gibt Aussichtspunkte mit Weitblick, und Ruhepole direkt am Wasser.

Ortseingang nach Stora Essingen auf der Essingebron. Auf einem weißen Schild steht "St Essingen". Die Straße mündet in eine Kreuzung.
Ortseingang Stora Essingen. Von hier aus blickst du auf den Tvärbanan-Tunnel. Hinten links geht es hoch Richtung Kungsklippan.

Wenn du nach der Brücke kurz links und direkt wieder rechts abbiegst, kommst du im Flottbrovägen an der laotischen Botschaft und der sehenswerten rot-hölzernen Kirche Liberala Katolska Kyrka vorbei. Die übernächste Gelegenheit links abzubiegen, führt dich auf dem Essinge Kyrkaväg dann in Richtung des Zentrums der Insel. Am Ende der Straße wartet die namensgebende Landmarke Stora Essingens, die schlank und frech herausblickende Kirche Essinge Kyrka.

Vom Park Kungsklippan aus gesehen die Essinge Kyrka in Stora Essingen.
Eine kleine Felsoase in Stora Essingen: Kungsklippan.

Auf dem Weg dorthin kannst du in dem kleinen, felsigen Park Kungsklippan sowohl auf die Kirche als auch auf die Stockholmer Altstadt blicken. Letztere ist zwar recht weit entfernt, die Panorama-Sicht über die Mälaren-Buchten und die Västerbron hinweg ist jedoch einzigartig. Der Aufstieg zur Klippe ist allerdings nicht allzu offensichtlich – auch ich habe diesen Ort eher zufällig entdeckt. Wenn du aber im Essingevägen hinter einem Spielplatz links auf ein rotes Holzhäuschen stößt, bist du schon ziemlich richtig und dem kleinen Highlight recht nahe.

Västerbron und Stockholms Skyline von Stora Essingen aus gesehen. im Vordergrund Büsche des Parks Kungsklippan.
Exklusiver Blick von Kungsklippan Richtung City und Altstadt.

Es gibt natürlich noch weiteres auf der Insel zu erkunden. Doch auch hier zeigt der Name an, dass Stora Essingen etwas größer ist als Lilla Essingen: stora = groß. Daher braucht es dann auch etwas länger, um die gesamte Insel zu erkunden, was sich natürlich absolut lohnt. Es gibt einige feine Gegenden mit exklusiven Villen sowie weitere hoch und tief gelegene Aussichtspunkte.

Nicht alles ist frei zugänglich – einige Wege sind recht auffällig als privates Land (privat tomt) gekennzeichnet. Besonders empfehlenswert ist eine kleine Wanderung zwischen Aluddsparken und dem Hafen Oxhålshamnen an der Westseite der Insel.

Im Aluddsparken liegt ein Steinfels. Der Blick geht Richtung Smedslätten.
Mitten in Stockholm. Im kleinen Aluddspark kannst du ein wenig abschalten.

Der Aluddspark ist ein kleiner Aussichtspunkt mit Schaukel und Parkbank, mit tollem Blick auf die nahezu wild wirkende Landschaft der Bucht Klubbfjärden – vor der Küste des gegenüberliegenden Smedslätten. Hier ist nicht viel los. Aber sollte nur eine weiterere Person anwesend sein, ist der kleine Park quasi schon fast überfüllt. Klein aber fein.

Etwas weiter nördlich auf der Straße Aluddsvägen gibt es links einen Abstieg auf Treppen hinab der Felsküste ans Ufer. Auf einen Holzsteg, der entlang der reichlich mit Moos bewachsenen Felsen führt. Direkt am Wasser und scheinbar fern der Großstadt und fern der Menschenmassen. Nun ja, an die angrenzende Zivilisation wird immerhin durch die verräterischen Alviksbron und – weiter hinten – Tranebergsbron erinnert, auf die du auf diesem Pfad mit beeindruckender Sicht zuläufst.

Holzsteg an der Westküste Stora Essinges entlang der Oxhålt Enge. Im Hintergrund zwei Brücken Stockholms: Alviksbron und Tranebergsbron.
Holzsteg an der Westküste von Stora Essingen.

Ab dem Bootsanleger Oxhålshamnen geht es dann wieder über die Straße Essingeringen Richtung Alviksbron, die nahe der Tram-Haltestelle Stora Essingen für Fußgänger zugänglich ist. Wie erwähnt, ist die Brücke auch direkt von der Essingebron aus schnell ansteuerbar. Der kleine Inselrundgang über die Aussichtspunkte und -pfade dauert inklusive Besichtigungszeit etwa 1 Stunde und lohnt sich auf jeden Fall.

Über die Alviksbron nach Alvik

Auf die Alviksbron bin ich ursprünglich eher zufällig gestoßen, bei einem Spaziergang durch Stora Essingen. Die Brücke ist architektonisch etwas unscheinbarer als andere Stockholmer Brücken. Unspektakulärer. Und dennoch ist sie sowas wie meine Lieblingsbrücke geworden. Ein kleines Stück bergab hinter dem Eingang zur Tram-Station kommst du auf den Fußweg der Brücke.

Blaue Straßenbahn der Tvärnabanan steht an der Haltestelle Stora Essingen. Seitenansicht.
An der Straßenbahnhaltestelle Stora Essingen startet die Alviksbron.

Zugegebenermaßen ist auch der Weg auf der Brücke zunächst wenig ästhetisch ansprechend. Grauer Beton und ein Maschendrahtzaun, der die Schienen mit den vorbeirauschenden Züge der Tvärbanan vom Fußweg trennt. Eine Reihe abstandsgetreu aufgestellter Laternen. Recht viele Menschen integrieren die Brücke aber offenbar in ihre Joggingrouten. Nach dem ersten Drittel sehe ich dann auch, wieso.

Joggerin auf der Alviksbron. Die Gleise sind durch einen Maschendrahtzaun vom Fußweg getrennt.
Viele Jogger:innen sind hier unterwegs. Ich kann’s verstehen.

Nicht nur ist der Ausblick gen Süden atemberaubend und gleicht irgendwie eine Miniatur nordischer Landschaften. Auch das Ziel auf der anderen Seite verspricht, sich nicht nur für Jogger:innen als ein schönes, ruhiges Ausflugsziel zu entpuppen. Stora Essingen ist vom Bezirk Bromma durch eine schmale Enge – den Oxhålssundet – des Mälarsees getrennt, welche die Buchten Essingefjärden und den sich öffnenden Klubbfjärden verbindet. Trotz der zentralen Lage in der Stadt sind die Küstenbereiche hier kaum bebaut, oder kaum sichtbar bebaut. Okay, die charmanten Holzvillen und die Kirche Stora Essingens zeigen sich auf der einen Seite – die andere Seite scheint aber aus nichts als Wald und Felsen zu bestehen. Jedenfalls in Ufernähe.

Blick auf die Meerenge Oxhålssundet von der Alviksbron aus. Die Enge des Mälarsees liegt zwischen Stora Essingen und Bromma (inklusive der Stadtteile Alvik und Smedslätten).
Von der Alviksbron gibt es einen exklusiven Blick auf die „Meerenge“ Oxhålssundet.

Im nördlichen Bereich der Küste Brommas befindet sich der kleine Stadtteil Alvik mit dem Mälarparken, in dem du am Ende der Brücke fast unweigerlich landest. Einmal links hinunter, und du findest dich in einem kleinen Waldstück wieder. Die Jogger-Dichte wird höher, und das Wasser rückt näher. Hier kannst du auf den Felsen bis ans Ufer herunterklettern. Ohne, dass dies besonders anspruchsvoll wäre. Und von hier aus ist die Sicht auf die Brücke fantastisch.

Blick auf die Alviksbron und - im Hintergrund - Tranebergsbron vom Mälarparken in Alvik aus. Im Vordergrund die Felsküste und eine Fichte, die ins Bild ragt.

Für alle Zug- und Tram-Fans: Die Züge der Tvärbanan fahren tagsüber alle 7 Minuten. Das heißt, Straßenbahn Gucken erfordert nicht besonders viel Geduld. Und selbst wenn es so wäre: bei sonnigem Wetter kann man es hier ohnehin aushalten. Denn die Geräusche von der Straßenbahn sind auch schon das lauteste, was du hier zu hören bekommst. Eine dieser vielen kleinen urbanen Oasen in Stockholm.

Straßenbahnen überqueren die Alviksbron.

An der Küste von Alvik

Der Stadtteil selbst ist nicht besonders groß und der zu Alvik gehörende Küstenabschnitt nicht lang. Was nicht heißt, dass die gesamte Küste nicht noch weiter erkundet werden kann und möchte. In weniger als einer Stunde kannst du zum Beispiel bis zum Strandbad in Smedslätten am Südzipfel wandern. Zunächst entlang eines gepflegten Holzstegs zwischen Ufer und Nadelwald. Vorbei an kleinen Anlegern und Aussichtspunkten. Mit fantastischen Eindrücken vom wilden Klubbfjärden.

Holzsteg zwischen Alvik und Smedslätten. Führt entlang des Wassers in Richtung der Bucht Klubbfjärden.
Ein Holzpfad führt von Alvik Richtung Smedslätten und dem offenen Mälarsee.

In die andere Richtung, nördlich der Brücke geht es über die Promenade von Alviks Strand in Richtung Tranebergsbron. Hier führt ein Holzsteg zu einem nahegelegenen Anlegesteg, der wieder seine eigene Perspektive auf die Alviksbron bietet. Noch weitere 10 Minuten nordwärts, vorbei an einem kleinen Park im Winkel der Bucht, kommst du auf den Tranebergs Strand. Von hier aus geht es schließlich zur nächsten Brücke der Tour.

Blick auf die Alviksbron von einem Anlegersteg am Alviks Strand aus.
Perspektive auf die Alviksbron von Alviks Strand.

Am Tranebergs Strand – Blick über Essingefjärden

Die Promenade des Wohngebiets Tranbersgs Strand führt rechts runter zu der namensgebenden Brücke, die Traneberg bzw. den gesamten Bezirk Bromma mit Kungsholmen verbindet. Die Tranebergsbron. Für sich ist der Weg keine Schönheit. Aber auch hier eben der Blick auf die Straßenbahn-Brücken… Zunächst über den gesamten Essingefjärden hinüber zur Alviksbron. Besonders auch im Frühjahr – wenn noch die ein oder andere Eisscholle die Bucht schmückt – herrscht hier eine tollen Atmosphäre. Aber auch sonst.

Blick nach Süden auf die Alviksbron über die Bucht Essingefjärden. Auf dem Wasser liegt noch winterliches Resteis.
Von Tranebergs Strand Blick Richtung Alviksbron.

Am Ende der Promenade gibt es dann einen kleinen Badesteg. Auch, wenn es noch etwas zu frisch ist, um ins kühle Nass zu steigen – was einige Schweden nicht ernsthaft davon abhält – kannst du dich hier auf eine der Bänke setzen und zur Tranebergsbron schauen. Auch hier bin ich erstaunt, wie ruhig es mitten im Gewusel sein kann. Also, nicht mitten drin. Aber die Brücke ist sehr nah – und dort ist einiges los. Nicht nur wegen der U-Bahn-Trasse…

Blick auf die Tranebergsbron vom Badesteg am Tranebergs Strand. Restliche Eisschollen liegen auf dem Wasser des Essingefjärden.
Pause am Badesteg.

Über die Tranebergsbron nach Kungsholmen

Um auf die Tranebergsbron zu kommen, kannst du einem Fußgängerpfad folgen, der kurz hinter der Kreuzung von Alviks Strand und Tranebergs Strand beginnt und ein wenig bergauf führt. Dann kommst du sehr wahrscheinlich an einer lauten mehrspurigen Straße heraus, dem Drottningholmsvägen – vor einer Fels-Terrasse, auf der die Metro der Grünen Linie verkehrt. Rechts abgebogen, kommst du auf die Brücke und kannst unterwegs schon den ästhetisch nicht unspektakulären Metro-Verkehr beobachten.

Fußgänger- und Radfahrer-Spur auf der Tranebergsbron. Blick Richtung Westen. Links ist ein Teil des Essingefjärden zu sehen, mit dem Tranebergs Strand im Vordergrund.
Der Fuß- und Radweg auf der Tranebergsbron lädt mit Ausblick zum Verweilen ein.

Auch hier betritt man nicht gerade einen Hort der Meditation. Die Tranebergsbron ist eine Hauptverkehrsader von Stockholm – aber eben eine mit Ausblick. Der Fuß- und Radweg verläuft auf nur einer Seite der Brücke. Auf der Südseite. Von hier aus siehst du hinüber, über die Straße hinweg auf die Metro. Auf der anderen Seite hast du den freien Blick über den Essingefjärden.

Hier zeigt sich das Ensemble aus begrünten Inselns, schlanker Brückenarchitektur und den breiten Stockholmer Wasserflächen in bester Panorama-Manier. Viele Locals, die die Brücke mit dem Fahrrad passieren, legen in der Mitte der Brücke eine Pause ein, um ihr Foto-Portfolio zu updaten. Bei jeder Wetterlage bietet sich hier ein eigenes Landschafts- und Stadtbild. Da das schwedische Wetter durchaus – sagen wir – facettenreich ist, lässt sich am selben Ort eine entsprechende Vielfalt an Fotomotiven finden.

Blick über den Essingefjärden Richtung Süden, fotografiert von der Tranebergsbron.  In der Mitte Stora Essingen. Rechts die Alviksbron. Links die Essingebron. Es ist dicht bewölkt.
Essingefjärden in Südrichtung. Die Essinge Kyrka ragt empor.

Letzter Abschnitt Kungsholmen – hoch über die Bucht

Nun ist es beinah geschafft. Wir sind im Stadtteil Fredhäll des Bezirks (und der Insel) Kungsholmen. Die Brücken der Tour haben wir hinter uns gelassen. Aber am folgenden Küstenabschnitt wartet noch das ein oder andere Highlight. Die Küste Kungsholmens ist teilweise sehr steil und für sich eine eigene (Umrundungs-)Tour wert. Zunächst steige ich immer gerne rechts hinab in die Park-ähnliche Anlage südlich der Tranebergsbron – rund um die verschiedenen Segelboot-Clubs. Von hier aus zeigt sich die Betonbogen-Struktur der Brücke in ihrer vollen, mächtigen Pracht.

Ein Jogger läuft in einer Parkanlage auf die Tranebergsbron zu. Rechts Felsen und Bäume in schwedischem Frühlingsgewand.
Under the Bridge. Joggen und Spazieren entlang felsiger Wege in Kungsholmen.

Von hier aus geht es hoch zum Snoilskyvägen. Ein langer Weg entlang der Bucht, mit ausnahmslos fantastischem Blick ins Blaue. Nach einem kleinen Umweg duch den weniger spektakulären Karlfeldtparken landest du im Atterbomsvägen, der dann auch deutlich grüner daherkommt. Streckenweise kannst du diese Abschnitte auch auf den Küstenfelsen entlang wandernd bewältigen, statt an der Straße. Aber immer Acht geben vor heraneilenden Jogger:innen.

Essingefjärden von Fredhäll aus.
Zum Sonnenuntergang an der Küste von Fredhäll.

Oben gibt es auch ausgezeichnete Aussichtspunkte mit Parkbänken an der Klippe, wo es durchaus auch passieren kann, dass du ins Gespräch mit anderen Spaziergänger:innen und Müßiggänger:innen kommst. Allgemein passiert es mir an schönen Orten in Schweden nicht selten, dass Menschen mich ansprechen, mitunter nur, um die Einzigartigkeit des Ortes zu zelebrieren. Am Ende ist man dann eben doch nicht so verschlossen, wie es das Klischee besagt… Auf der Höhe des gegenüberliegenden Zipfels von Lilla Essingen kannst du über eine Treppe runter zu dem Holzsteg steigen, der wieder Richtung Mariebergsbron führt.

Treppen an der Küste von Kungsholmen vor der Kulisse des Mälarsees bei Sonnenuntergang.
Treppen hinab zum Holzsteg an der Küste von Fredhäll.

Dies ist dann auch schon der letzte kleine Abschnitt der Brückentour, der schließlich nochmal unter zwei Brücken hindurch führt, bevor du links wieder hinauf auf die Mariebergsbron steigen kannst. Und dieser Abschnitt ist auch ein kleiner Lehrpfad. Auf Schildern wird über die Flora und Fauna Fredhälls aufgeklärt. Denn dieser südliche Hang Kungsholmens – Fredhällsklipporna – ist ein kleines urbanes Naturreservat, in dem auch einige gefährtedete Arten gedeihen. Ein schöner Kontrast zu eben jenem starken Verkehr, der über diese und andere Brücken führt.

Stockholms Brücken verbinden das auf die Inseln verstreute städtische Leben mit diesen zahlreich eingepflegten Rückzugsorten. In imposanter Manier, wie ich finde.

Holzsteg von Fredshäll in Richtung der Brücken Essingeleden und Mariebergsbron.
Autobahn-Brücke Essingeleden (vorne) und Mariebergsbron (hinten) zwischen Kungsholmen und Lilla Essingen.

Meine Tipps zum Spaziergang über Stockholms Brücken:

  • Für die vorgeschlagene Tour solltest du zu Fuß mindestens 3 Stunden einplanen
    • für einen entspannteren Ausflug lieber 4 Stunden, wenn du an den zahlreichen Aussichtspunkten etwas verweilen möchtest
  • Gastronomisch ist auf der Route nicht allzu viel los. Ich empfehle, entweder eine Picknick-Pause am Mälarparken (Alvik), oder am Ende der Tour in eines der Lokale (u.a. Thai, Pizza, Sushi) in der Essinge Brogatan in Lilla Essingen einzukehren
  • Anstatt an Ende der Route wieder durch Kungsholmen zu laufen/fahren, kannst du bei Lilla Essingen auch weiter am Wasser spazieren und unter der Väterbron hindurch über den Norr Mälarstrand bis zum Stadshuset und dem Hauptbahnhof laufen. Das dauert 45 Minuten und ist vor allem in der Dämmerung ein schöner Spaziergang.
  • Link-Tipps: (1) Technische Daten der Stockholmer Brücken (www.karl-gotsch.de); (2) Öffentlicher Nahverkehr Stockholm mit Reiseplaner (sl.se)

Hinweis: Alle in diesem Artikel beschriebenen Reisen wurden privat finanziert. Ich erhalte keine finanziellen Zuwendungen von in diesem Artikel genannten Unternehmen oder anderen Organisationen.

Beitrag erstellt 44

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Verwandte Beiträge

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben
WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner