Mit der Fähre durch den Schärengarten – Ausflug nach Vaxholm und Grinda

Fähre durch den Stockholmer Schärengarten. Ich blicke auf die Ostsee und ein vorbeifahrendes Boot.

Stockholm und Umgebung auf dem Wasser zu erkunden, ist immer ein Erlebnis – auch bei Wind und Wetter. Neben den vier Linienbooten (Pendelbåtar) der SL, die weitgehend – aber nicht nur – im Stadtgebiet verkehren, gibt es auch Fähren anderer Anbieter und Reedereien, die weiter raus in die Ostsee fahren. Eine Tour mit der Fähre durch den Schärengarten gehört eigentlich bei jedem Besuch in Stockholm zu den großen Highlights und ist eine entspannte und günstige Gelegenheit, mal dem städtischen Getümmel zu entfliehen.

Fähre durch den Schärengarten - Die Storskär gehört zur klassischen Flotte des Waxholmsbolaget.
Die MS Storskär erreicht den Hafen von Vaxholmen.

Fahrten in den Schärengarten startest du von der Innenstadt aus am besten am Strömkajen, wo Fähren der Linie 83 der Stockholmer Verkehrsbetriebe SL sowie Boote der Reederei Waxholmsbolaget Richtung Schären aufbrechen. Alternativ kannst du dich auch – um die Ecke – am Strandvägen-Kai an der Bucht Nybroviken mit einer der Cinderellabåtarna (Stromma)-Fähren auf den Weg ins Archipelago machen. Für die Stromma-Fähren kaufst du die Fahrkarten am besten vor Ort am Ticketschalter. Für SL und Waxholmsbolaget ist die SL Access Card gültig und günstig.

Auf der Fähre durch den Schärengarten

Sehr beliebte und im Rahmen eines Tagesausflugs zu erreichende Inseln sind Vaxholm und Grinda, die zum Teil auch beide von denselben Linien angefahren werden. Die Fahrt nach Södra Grinda (Grinda-Süd) dauert, je nach Verbindung, 1:20h bis 2:30h. Dazu am besten immer vorher den Fahrplan auf den Seiten der Anbieter checken: SL, Waxholmsbolaget, Stromma. Vaxholm liegt auf dem Weg nach Grinda, und die Fahrt dauert im schnellsten Fall 55 Minuten.

Altstadt im Ruecken East Rail Stories
Während der ersten 20 Minuten blickst du zurück auf Gamla Stan.

Ich fahre besonders gerne mit den Booten der klassischen Flotte, die sich durch einen halbwegs großzügigen, holzvertäfelten Außenbereich auszeichnet. Das finden auch andere Passagiere. Allerdings habe ich meisten ohnehin eher „Pech“ mit dem Wetter, sodass es dann draußen meist recht leer ist – aber eben auch frisch.

Bei kaltem Wetter ist nicht viel los am Außendeck der Fähre.
Auf den klassischen Fähren wie der Storskär herrscht eine fast romantische Atmosphäre.

Manches Mal habe ich auch Glück, und neben mir macht es sich ein geselliger Local bequem, der mir beschreibt und erklärt, was ich sehe. Während der ersten halben Stunde bewegt sich die Fähre praktisch auf Stockholmer Stadtgebiet, und viele der bekannten Sehenswürdigkeiten sind aus der Nähe oder Ferne zu sehen. Manche davon sind vielleicht nicht ganz so bekannt, und kompetente Gesellschaft kann mit Aufklärung helfen. Interessanterweise sind diese spontanen Gespräche auf Reisen in Schweden gar nicht so ungewöhnlich.

Vor der Küste einer Schäreninsel mit roten Holzhäusern und grünen Bäumen.

Sobald das Schiff die Südküste Lidingös hinter sich gelassen hat, wird die See offener und der Wind spürbarer. Es werde einige städtische, aber auch einige ländliche Stationen angefahren. An bewaldeten Felsküsten mit den darin eingebetteten roten Holzhäusern fühlt es sich an als sei man im ländlichen Schweden. Und so ganz falsch ist das ja auch nicht.

Blick über das Ostseewasser, hin zu einer Schärenküste.

Während einer meiner Fahrten Richtung Vaxholm taucht in naher Ferne, uns entgegenkommend, ein scheinbar befreundetes Boot von derselben Reederei auf. Ein Besatzungsmitglied – ich bin mir nicht sicher, ob Kapitän, Chefkoch oder Offizier – verteilt weiße Servietten und fordert uns freundlich auf, mit diesen dem anderen Boot zuzuwinken. Auf der anderen Seite scheint das auch zu passieren, uns so winken wir uns ein wenig zu. Ein nettes Ritual – wenn es denn ein Ritual ist.

Ein Arm mit einem weißen Tuch in der Hand winkt einem anderen, vorbeifahrenden Boot zu.

Ausflug nach Vaxholm

Vaxholm kündigt sich aus der Ferne vor allem durch eine aus den Pippi Langstrumpf-Filmen bekannte Sehendwürdigkeit an. Das Vaxholm-Kastell ist eine Hauptkulisse der abenteuerlichen Episode „Pippi in Taka-Tuka-Land„, in der Pippis Vater hier inhaftiert war. Die im Jahr 1548 erbaute Festung liegt direkt gegenüber des Fähranlegers und kann als von Besuchern als Museum besichtigt werden.

Die Festung von Vaxholm mit der schwedischen Flagge von der Fähre im Vordergrund.
Egal, ob Schweden oder Taka-Tuka-Land? Hauptsache Vaxholm.

Direkt am Hafen gibt es einige Geschäfte, unter anderem mit gastronomischem Angebot, inklusive des dominierenden Waxholms Hotell. Das hat alles erstmal ein wenig Kurort-Charme. Ich vertrete mir daher zunächst gerne die Füße bei einem kleinen Spaziergang entlang der südlichen Hafenpromenade Söderhamnen und schauen den Schiffen beim an- und ablegen zu – oder beim betankt werden. Vaxholm ist sowas wie der Hauptort der Schären und Schnittstelle für die Schifffahrt zwischen Stockholm und der Ostsee.

Rote Holzhäuser mit der schwedischen Fahne an der Hauswand dürfen nicht fehlen bei einem Ausflug nach Vaxholm.

Das wirkliche Highlight Vaxholms ist für mich das Innere der Insel. Die kleinen Straßen zwischen den schwedisch-roten Holzhäusern mit den darin eingebetteten Sommercafés. Wenn du etwas Ausschau hältst, wirst du sicher auch einen der netten, privaten Obstgärten finden, wo in freundlicher Atmosphäre frischer Kaffee und selbstgebackener Kuchen angeboten werden.

Norrhamn Vaxholm.
Blick vom Batteriepark auf den Nordhafen.

Grundsätzlich ist Vaxholm bei Weitem nicht völlig verkehrsfrei und – anders als etwa Grinda – relativ überlaufen, mit einem gewissen Kleinstadtcharakter. Eben der Flair eines populären Urlaubsortes. Dennoch lohnt es sich, immer nach den Küstenabschnitten zu suchen. Nördlich gelegen und nicht weit vom Ankunftshafen zum Beispiel liegt der Nordhafen, Norrhamn, mit kleinen Anlegern für Yachten und einem kleinen Felsstrand zum Baden gehen. Direkt um die Ecke kannst du vom etwas höher gelegenen Batterieparken auf die kleine Hafenbucht und auf das offene Wasser des Schärengartens blicken.

Schilf am Nordhafen von Vaxholm. Links ragt das rote Dach eines Hauses ins Bild. Links die Felsküste mit Badegästen.
Idylle am Norrhamn.

Ausflug nach Grinda

Grinda ist besonders was für Naturfans und Tageswanderungen. Die Insel liegt etwas östlich von Vaxholm: dort, wo die Schären beginnen, sich als ein immer feiner aufgelöstes Mosaik in der Ostsee zu zerstreuen. Da es in Grinda einige hoch gelegene Aussichtspunkte gibt, kannst du dir die Schärenlandschaft hier aus vielen Perspektiven anschauen. Wie so oft, ist es auch am Tag meiner Tour nicht allzu sonnig, aber eigentlich tut es dem Erlebnis keinen Abbruch.

Blick von der hohen Felsküste Grindas auf die Schärenlandschaft mit vereinzelten Segelschiffen in der Mitte des Wassers.
Von Grinda aus gibt es tolle Aussichten auf die Schären.

Auf der Insel gibt es ein 2,5 km langen Wanderpfand, Grindastigen, der über Wiesen, durch Kiefern- und Birkenwald und auch zu einigen hohen Felsklippen führt. Das Highlight ist der Klubbudden – mit 35 Metern der höchste Punkt der Insel. Es gibt auch einige Schwimmmöglichkeiten, auf die ich an diesem Tag allerdings verzichte. In dieser Region lassen sich viele aber eh nicht durch niedrige Temperaturen vom Sprung ins frische Nass abhalten. Vielleicht keine schlechte Inspiration.

Ich an der Felsküste Grindas, mit Wasser und Schäreninseln im Hintergrund.
Fotosession an der Felsklippe.

Neben all den Kiefern und anderen Nadelgehölzen wachsen hier auch allerhand weitere nordische Pflänzchen, die dir auf dem Rundgang begegnen – Farne, Flechten, Gräser… auch Blütenpflanzen, die sich an die rauen Bedingungen auf den Küstenfelsen angepasst haben. Ich war bei meiner Tour in fachkundiger Begleitung und konnte einiges Wissen auffrischen. Grinda ist auch für botanische Exkursionen einen Ausflug wert.

Rot blühender Busch auf felsigem Untergrund in Grinda.

Vermutlich ist Grinda bereits seit dem Mittelalter besiedelt. Besonders die landwirtschaftlichen Umtriebe vermitteln heute noch einen gewissen, traditionellen Flair. Zwischen Bootanleger und Wanderweg triffst du auf einige, offensichtlich auch artgerecht gehaltenen Schweine, Pferde und Rinder, die sich auf Hof und Wiese dem Müßiggang widmen.

Beim Ausflug nach Grinda trifft man unter anderem glückliche Schweine und andere Farmtiere.
Die Ferkel scheinen es sich gut gehen zu lassen.

So findest du als landwirtschaftliches Ausflugsziel hier u.a. den Hof Grinda Gård mit anständiger Nutztierhaltung und Verkauf der Produkte im eigenem Hofladen – ein im Jahr 2000 gegründetes Hofprojekt. Daneben gibt es auch weitere Anlaufpunkte für den Erwerb und Genuss von Speis und Trank auf der Insel (mehr dazu findest du z.B. auf schwedenstube.de).

Zwei Pferde auf grüner Wiese in Grinda.
Entspannte Pferde auf Grindas grünen Wiesen.
Ich mit einer Flasche Bier auf dem Außendeck der Fähre.

Fazit zu Vaxholm und Grinda

Eine Tour mit einer der Fähren solltest du dir als Besucher Stockholms so oder so nicht entgehen lassen. Ob du dabei lieber Vaxholm oder Grinda ansteuerst, ist sicher auch Geschmackssache. Da Grinda etwas „weiter draußen“ liegt, hast du mehr von der Bootsfahrt. Und es ist das schönere Naturerlebnis – und deutlich ruhiger. Für Vaxholm spricht die Festung, besonders für alle Pippi Langstrumpf-Fans, und natürlich das ein oder andere Café… Wenn du früh am Morgen (ab 7:40h) losfährst, kannst du sogar beide Inseln an einem Tag schaffen.

Tipps und Links zum Schärengarten

Wann fahren die Fähren nach Vaxholm

  • Strömkajen ➜ Vaxholm: zwischen 7:40 und 19:10 min. stündlich, mit Pause von 9:00 – 11:00 (SL Linie 83 & Waxholmsbolaget)
  • Strandvägen ➜ Vaxholm: 10:00, 15:00, 16:30 (Cinderellabåtarna)
  • Vaxholm Strömkajen: zwischen 6:30 und 23:00 min. stündlich, mit Pause von 9:30 – 12:00 (SL Linie 83 & Waxholmsbolaget)
  • Vaxholm Strandvägen: 13:50, 15:10, 18:50, 21:50 (Cinderellabåtarna)

Wann fahren die Fähren nach Grinda

  • Strömkajen ➜ Södra Grinda: zwischen 8:00 und 17:00, bis zu 7-mal täglich, am Wochenende zwischen 8:45 (Sa.)/8:30 (So.) und 15:00 (Sa.)/ 19:45 (So.) (Fahrplan checken @Waxholmsbolaget)
  • Strandvägen ➜ Södra Grinda: 10:00, 15:00, 16:30 (Cinderellabåtarna)
  • Södra Grinda Strömkajen: zwischen 8:20 und 20:45, bis zu 9-mal täglich, am Wochenende zwischen 9:20 (Sa.)/12:30 (So.) und 18:50 (Sa.)/18:45 (So.) (SL Linie 83 & Waxholmsbolaget)
  • Södra Grinda Strandvägen: 13:15, 14:35 (Cinderellabåtarna)

Gibt es Getränke und Speisen auf den Fähren?

  • auf den Fähren des Waxholmsbolaget und den Cinderellabåtarna gibt es immer Snacks, Kaffee, Tee, Limo, Bier, etc…
  • auf einigen Booten gibt es auch Restaurants – dies ist entsprechend auf den Websites angegeben

Allgemeine Tipps

  • Ein Liniennetz der Fähren zum Archipelago findest du auf Waxholmsbolaget.se
  • Einen Fahrplan der Linie 83 (Strömkajen ⟷ Vaxholm) findest du auf mitt.sl.se
  • Über sicht über die Flotte auf wikipedia.de

Hinweis: Alle in diesem Artikel beschriebenen Reisen wurden privat finanziert. Ich erhalte keine finanziellen Zuwendungen von in diesem Artikel genannten Unternehmen oder anderen Organisationen.

Fotocredits: @anikawieg

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