Stockholm: Lohnt sich ein Ausflug in den Millesgården?

Millesgarden Title East Rail Stories

Was ist der Millesgården?

Der Millesgården ist ein Skulpturenpark und Kunstmuseum auf der Schäreninsel Lidingö, direkt östlich von Stockholm. Der Ort war zwischen 1908 und 1931 die selbst errichtete Residenz und das Atelier des Künstlerpaares Olga und Carl Milles. Heute ist das Grundstück ein Museum für Besucher:innen, die sich für Kunst, Ästhetik, oder einfach schöne Ausblicke und exotische Kulissen interessieren. Denn das toskana-eske Ambiente auf den hoch am Wasser gelegenen Terrassen mit direktem Blick über den Osten Stockholms ist einzigartig und dürfte selbst notorische Kunstmuffel aus der Reserve locken.

Die Statue von Poseidon auf der Terrasse im Millesgarden gegen den Sonnenuntergang mit Blick auf Stockholm.
Poseidon blickt Richtung Stockholm.

Anreise zum Skulpturenpark Millesgården

Ich empfehle für den Ausflug in den Millesgården die Anreise mit dem Pendelbåt Linie 80 bis Ropsten. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde und hat selbst schon einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Alternativ kannst du aber auch direkt die U-Bahnlinie T13 („Rödja linjen„) nehmen, die in 10 Minuten vom Hauptbahnhof bis Ropsten fährt. Von hier aus fährst du entweder mit der Straßenbahn L21 („Lidingöbanan“) bis Torsvik oder spazierst zu Fuß über die Brücke Gamla Lidingöbron, die direkt von Ropsten über die Meeresbucht nach Lidingö führt.

Der Fußweg über Brücke bis hin zum Museum dauert etwa 10-15 Minuten. Direkt hinter der Brücke rechts in den Islinge Hamnväg und dann rechts in den Herserudsvägen, wo sich dann auch schon bald der Millesgården ankündigt.

Eingang zum Millesgarden. Auf einem Schild werden Besucher in vielen Sprachen begrüßt.
Eingang zum Museum Millesgården im Herserudsvägen mit vielsprachiger Begrüßung.

Der Skulpturenpark – Garten und Terrassen

Der Park verteilt sich auf drei Terrassenbereiche. Die unterste Terrasse reicht bis an die Herserudsklippan heran und bietet den einzigartigen Kontrast zwischen dem Stockholmer Hafencharme und der klassischen Skulpturenkunst von Carl Milles. Auf mehrere Meter hohen Säulen ragen Bronzefiguren in den nordischen Himmel. Einige musikalische Engel treffen auf eher sportliche Ausstellungsgenossen. Und nicht zuletzt auf die großen Vertreter der griechischen Mythologie.

Auf der unteren Terrasse des Millesgarden stehen einige Säulen, die bronzene Engelsstatuen tragen. Die Värtan-Bucht ist rechts zu sehen.
Das Skulpturen-Ensemble auf der Uferterrasse des Millesgården.

Darunter ist die Statue Poseidons sicher die auffälligste aller Objekte auf der unteren Terrasse – der Gott des Meeres. Splitternackt, aber „bewaffnet“ mit Fisch und Muschel wacht er über die Värtan-Bucht und – so scheint es – die ganze Stadt. In dessen Hintergrund fliegt Pegasus mit menschlicher Begleitung Richtung Himmel. Wie all die Engel auf einer hohen Säule befestigt… und dennoch dynamisch und erhaben.

Bronzestatue von Poseidon. In der rechten Hand ein Fisch, in der linken Hand eine Muschel. Rechts im Bild eine Säule mit Pegasus und einem mit ihm fliegenden Bronze-Jungen.
Poseidon mit Fisch und Muschel – den Umtrieben Pegasus erhaben.

Auch auf den oberen Terrassen, die über prächtige Treppen miteinander verbunden sind, zeigt sich eine teilweise unwirklich wirkende Komposition von Statuen, Büsten, bunten Fresken, Säulen und mediterran-nordischer Bepflanzung. Teile der Darstellungen hat Carl Milles seiner unter Heimweh leidenden österreichischen Gattin Olga gestalten und herrichten lassen. Alpenländische Elemente, irgendwo zwischen Italien und Skandinavien. Irgendwo zwischen stolzen, nackten Musikanten, Birken und Torbögen… Ich fühle mich tatsächlich stellenweise wie nach Italien versetzt.

Weitwinkel zum Hauptgebäude des Millesgarden. Bronzeskulpturen im Vordergrund. Dahinter ein mehrbögiges Tor und Bäume.
Treppe hinauf zum Haupthaus, vorbei an schrägen Musikanten.

Besonders die spitz zulaufenden Fichten und die ein oder andere Büste versprühen mediterranen Flair. Oder auch eine Freske, welche die neapolitanische Küste abbildet. Einige der Objekte sind eingepflegt. Bestände aus alten Gebäuden, wie etwa Säulen, wurden zielsicher in das Ensemble integriert. Die Terrassen des Millesgården sind bunt und kulturell vielfältig: Häuptlingsbüsten treffen auf Venusmuscheln, treffen auf Wildschweine und griechische Helden. Das Ganze mit Blick auf die Brücke, die Lidingö mit Stockholm verbindet, dekoriert mit frei stehenden griechischen Säulen.

Drei griechische Säulen ragen in den bewölkten Himmel. Im Hintergrund die Brücke Lidingöbron über die Värtan-Bucht.
Blick entgegen der Dämmerung Richtung Lidingöbron.

Die Ausstellung im Hauptgebäude – Museum Millesgården

Für mich ist der Außenbereich mit den Terrassen und den exponierten Werken vor allem ein offener, ästhetischer Raum. Ein Ort, an dem man auch gerne mal einen Nachmittag mit einem Buch verbringen würde, oder sich auf der Suche nach Inspiration einfach mal nur auf die Mauer setzt. Die erweiterte Kunstsammlung mit wirklich musealem Charakter wartet in den charmanten ehemaligen Wohn- und Atelier-Räumen im Hauptgebäude des Millesgården.

Bronzebüste von Poseidon vor dem Hauptgebäude im Skulpturenpark Millesgarden.
Bronze-Büste Poseidons vor dem Haupthaus des Millesgården.

Kunstmuseum – Mehr als nur Skulpturen

Im Jahr 1906 kaufte das Künstlerehepaar dieses Grundstück auf der Herserudsklippan, um eben ein Wohnhaus mit einem Kunstatelier und Ausblick zu bauen. Die Milles lebten hier fortan bis zum Jahr 1931 und ihrer Abreise in die USA. Sie wandelten Haus und Grund daraufhin in eine Stiftung um und schenkten diese dem Schwedischen Volk. Später würden sie noch einige Male zurückkehren und die Errichtung des Skulpturenparks initiieren. Das Museum im Hauptgebäude zeigt die erhaltenen Wohnräume und Küche des Paares – ein kleiner, intimer Einblick.

Das Highlight sind aber natürlich die teilweise sehr ausgefallenen Galerieräume.

Treppe zur Loggia mit einem Freskengemälde an der Wand, das die Küste Neapels zeigt. Eine Skulptur auf einem Marmortische, zwei Terrakotta-Töpfe und eine weiße Statue aind integriert.
Mediterranes Flair in der kleinen Loggia: Einige Objekte wie z. B. Säulen aus Abriss-Gebäuden hat Carl Milles in die Anlage integriert.

Ein großer, heller Raum, das große Studio zeigt einige der Werke von Carl Milles: offenbar überwiegend Repliken u.a. seines frühen Schaffens, in jedem Fall beeindruckend und von einer anmutenden Ästhetik ganz in Weiß. In den Fluren reihen sich Büsten und Skulpturen der antiken Sammlung des Künstlers auf. Hier muss ich durchaus etwas aufpassen, dass ich nichts umstoße. Hier kannst du alles aus nächster Nähe betrachten und studieren.

Mein persönliches Highlight ist das Rote Zimmer: ein marmorierter Raum, dessen Wände mit einer speziellen Technik ihre marmorierte Erscheinung erhielten. Inspiriert für diese Raumgestaltung wurden die Milles bei einem Besuch in der antiken Ruinen-Stadt Pompeji. In diesem Zimmer sind einige Skulpturen – ebenfalls auf (kleinen) Säulen – ausgestellt, die bisweilen etwas humoristisch anmuten. Auch hier spielen mythologische Figuren eine große Rolle.

Das rote Zimmer im Millesgarden Museum. Marmorboden, rote, marmorierte Wände und Skulpturen aus der griechischen Mythologie.
Skulpturen im Roten Zimmer.

Olga Milles (geb. Granner)

Auch Gemälde sind ausgestellt: Die aus Graz stammende Olga Milles arbeitete als bildende Künstlerin, die praktisch ihr gesamtes Schaffen der Porträt-Malerei widmete – und genoss ihr Ansehen schon lange bevor sie Carl kennenlernte. Im Vergleich zu der Menge an Carls Werken sind jedoch nur relative wenige Bilder Olgas ausgestellt, und überhaupt verfügbar. Aber es gibt sie, präsentiert an der Wand und auf Staffeleien, und sie sind nicht weniger sehenswert als all die Skulpturen. Ganz prominent hervorgehoben ist ein Selbstporträt Olgas mit ihrer Schwester.

Gemälde "Selbstbildnis mit Schwester" vor einem Fenster im Museum Millesgarden. Auf dem Bild zwei Frauen beim Betrachten eines Gemäldes. Eine Frau hält Pinsel, andere Frau blickt direkt auf das Bild.
Porträt-Malerei von Olga Milles.

Annes Hus

Anfang der 1950er Jahre ließ Carl Milles Annes Haus (Annes Hus) für die Sekretärin Anne Hedmark bauen, die damals auch Hausherrin und Kuratorin des Millesgården war. Das Haus befindet sich direkt an der unteren Terrasse, mit allerbestem Ausblick. Hier wohnten die Milles während der Sommermonate in den frühen 1950ern, bis Carl Milles im Jahr 1955 hier schließlich verstarb. Anne bewohnte das Haus bis 1986. Heute ist in den Räumen noch der Charme der damaligen Zeit erhalten. Es ist sicher nicht das ganz große Highlight des Millesgården, aber auf jeden Fall einen ausgiebigen Blick wert.

Wohnzimmer in Annes Haus im Millesgarden. Die Einrichtung erinnert an die 1950er Jahre. Auf dem Kaminsims steht eine kleine Bronzestatue.
Interieur in Annes Haus.

Fazit und Tipps zu Millesgården – Lohnt sich ein Ausflug?

Millesgården ist unbedingt einen Besuch wert. Wer auf seiner Schweden-Reise mehr als einen Tag Stockholm auf dem Plan hat und sich mehr als die klassischen Sehenswürdigkeiten der Stadt ansehen möchte, sollte sich diesen kleinen Abstecher nach Lidingö gönnen. Besonders der Ausblick vor der künstlerischen Kulisse auf den Hafen ist einzigartig. Kunstfans und Freunde griechisch-römischer Skulpturen kommen hier sowieso auf ihre Kosten. Allerdings ist der Eintritt, wie üblich in Stockholmer Museen, nicht ganz billig. Daher solltest du auch angemessen viel Zeit mitbringen:

Table Millesgarden East Rail Stories
  • In der Kunsthalle direkt am Museumseingang und Ticket Office finden das ganze Jahr über Ausstellungen nationaler und internationaler Künstler statt: am besten immer auf der Website des Museums Ausschau halten.
  • Ein weiteres prominentes Werk Carl Milles kannst du dir am Bootsanleger Nacka Strand ansehen: Die Bogen-Fontäne „Gud Fader på himmelsbågen“ ragt dort über die Ostsee und ist von den Fähren in Richtung Lidingö und Schärengarten aus sichtbar.

Meine Quellen und Recherchetipps zum Millesgården

Hinweis: Alle in diesem Artikel beschriebenen Unternehmungen wurden privat finanziert. Ich erhalte keine finanziellen Zuwendungen von in diesem Artikel genannten Unternehmen oder anderen Organisationen.

Note: All activities described in this article were privately funded by me. I do not receive any financial contributions from companies or other organizations mentioned in this article.

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